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Ja, Sie sollen Ihrem Kind helfen - aber im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe. Sie dürfen Ihrem Kind immer nur so viel Hilfe anbieten, wie unbedingt nötig ist, damit es selbständig weiterarbeiten kann.

Nur dann besteht die Chance, dass Ihr Kind wirklich etwas lernt und seinen Lernerfolg auch als eigenen Erfolg ansieht. Zu viel Hilfe macht Ihr Kind unselbständig, verhindert, dass es eine ähnliche Aufgabe selbst löst, und lässt Ihr Kind die Erfahrung machen: "Selber kann ich's einfach nicht".

Langfristig führt zu viel Hilfe zum Gegenteil des Gewünschten - nämlich zum Versagen des Kindes. Lösen Sie nie eine ganze Aufgabe bzw. beantworten Sie nie eine aufgegebene Frage vollständig! Geben Sie Anstöße - und lassen Sie Ihr Kind dann selber weitermachen, verbunden mit einem aufmunternden Wort "Das schaffst du schon!“.

Wenn Sie merken, dass Sie selbst das fachliche Problem nicht verstehen, sollten Sie das Ihrem Kind offen sagen - Sie helfen ihm damit mehr, als wenn Sie selbst im Nebel herumstochern, denn Sie verwirren Ihr Kind unter Umständen. Erfahrungsgemäß steigt übrigens der Respekt von Kindern gegenüber Erwachsenen, wenn diese offen zugeben, was sie können und was nicht.

Eltern sind nicht die Nachhilfelehrer der Nation. Wenn Sie helfen können, ist das o.k., wenn nicht, ist es auch in Ordnung.Hauptverantwortlich für die Klärung von Unverstandenem sind die Lehrer.

Hilfe zur Selbsthilfe

1) Das Kind soll es erst einmal selber versuchen!

Gewähren Sie keine Soforthilfe, wenn Sie merken, dass Ihr Kind sich mit der Aufgabe noch gar nicht auseinander gesetzt hat. Als Hilfe können Sie anbieten: "Wenn Schwierigkeiten auftauchen, wenn du gar nicht mehr weiterkommst, dann komme ich. Ansonsten schaue ich dir gerne am Schluss die Aufgaben durch." Der letzte Satz soll dabei so ausgedrückt werden, dass er vom Kind nicht als bloße Kontrolle verstanden wird. Der Ton ist entscheidend! Und den richtigen Ton zu finden gelingt wiederum nur, wenn man von der inneren Einstellung her auch tatsächlich nicht nur die Kontrolle im Sinne hat.

2) Erst Schwierigkeiten klären!

  • Aufgabenstellung erklären lassen
  • Vom Kind erklären lassen, worin die Schwierigkeit besteht
  • Nachfragen, ob die Schwierigkeit in dem oder dem Punkt besteht
  • Vor jeder weiter gehenden Hilfe muss die Beantwortung der Frage stehen: Was genau beherrscht das Kind nicht? Man darf nicht versuchen, die Hausaufgaben einfach irgendwie hinter sich zu bringen und das Unverständnis bei Teilschritten zu übergehen. Man darf auch, und das ist besonders wichtig, nicht einfach auf selbst vermutete und vielleicht völlig unzutreffende Schwierigkeiten aufbauen - die Probleme des Kindes liegen unter Umständen ganz woanders, und zwar dort, wo Erwachsene es gar nicht vermuten. Gezielte Hilfe ist erst nach einer Ursachenabklärung möglich.
  • Die Ursachenanalyse muss im Gespräch miteinander durchgeführt werden. Unter Umständen sollte man die Ausführungen des Kindes über seine Verständnisschwierigkeiten nochmals mit eigenen Worten wiedergeben, um zu prüfen, ob man die Probleme wirklich richtig verstanden hat. Wenn das Kind von sich aus Schwierigkeiten nicht so recht benennen kann, müssen Sie ihm natürlich verschiedene Erklärungen für das Unverständnis anbieten.
  • Die Probleme liegen übrigens oft im Verständnis von Fremdwörtern oder Fachbegriffen. Manchmal zeigt sich auch, dass das Problem in fehlendem Grundwissen besteht. Wer z.B. Brüche berechnen will, muss teilen können, und wird dabei schon Schwierigkeiten hat, dem hilft keine noch so schöne Erklärung des Bruchrechnens selbst. Liegen Schwierigkeiten dieser Art vor, soll das Kind das Problem mit Hilfe des Buches oder Heftes selbst klären bzw. die Lücken auf diese Weise schließen; gelingt dies nicht, können Sie die    Erklärung geben. Übrigens lohnt sich das Aufheben alter Hefte und ggf. Bücher schon deshalb, weil dann vergleichsweise schnell ein "Nachschlagewerk" vor liegt.

3) Hilfen bei unverstandener Aufgabenstellung

  • Erklären Sie die Aufgabe mit eigenen Worten bzw. formulieren Sie die Fragestellung um. Machen Sie das aber nicht zu oft! Ihr Kind muss ja in der Lage sein, mit einer vorgegebenen Fragestellung zurecht zu kommen. Sollte Ihr Kind mit der Aufgabenstellung immer wieder Probleme haben, müssen Sie mit dem Lehrer darüber reden.
  • Falls Sie die Aufgabenstellung selbst nicht erklären können, sollten Sie Ihr Kind bei einem Mitschüler anrufen lassen.
  • Sollte auch das nichts bringen, schreiben Sie Ihrem Kind eine Notiz für den Lehrer ins Heft, dass schon die Aufgabenstellung nicht zu klären war, und unterschreiben Sie. Dann weiß der Lehrer, was die Ursache für eine nicht gemachte Hausaufgabe ist.

4) Hilfen, wenn die Aufgabenstellung klar, die eigentliche Bearbeitung aber nicht möglich ist

a) Indirekte Hilfen

  • Auf früher gemachte Aufgaben derselben Art verweisen!
  • Auf Schulheft bzw. Buch verweisen!
  • Unter Umständen auch auf Lexika oder dergleichen verweisen!

Ihr Kind wird auf diese Weise angeregt, über den ja bestehenden Zusammenhang zwischen Hausaufgaben und Unterricht nachzudenken, und macht damit die wichtige Erfahrung, dass man mit dieser Methode in den meisten Fällen Schwierigkeiten beherrschen kann. Ihr Kind lernt also Selbständigkeit.

b) Direkte Hilfen

  • Gezielte Erklärungen geben, um kleinere Lücken zu schließen!
  • Umfangreichere Aufgabe in Teilaufgaben zerlegen!
  • Ersten Teil der Aufgabe lösen (bzw. ersten Satz einer Übersetzung bzw. Einleitung in einem Aufsatz formulieren)!

Der erste Schritt fällt bekanntlich oft sehr schwer, ist er aber getan, dann "fällt der Groschen", und es geht ganz einfach weiter. "Der erste Schritt" heißt in der Praxis: der erste Satz einer Grammatikübung, der erste Teil einer Mathematikaufgabe, die erste von mehreren Fragen zu einem Text, die Einleitung bei einem Aufsatz. Wie bei allen Hilfen gilt: Seien Sie vorsichtig und gehen Sie sparsam mit dieser Methode um! Das Kind darf sich nicht daran gewöhnen, immer den Anfang "serviert" zu bekommen. Ab und an freilich kann diese Hilfe wirklich nötig und sinnvoll sein.

Aufgabe Schritt für Schritt gemeinsam bearbeiten!

Wenn es nicht gelingt, beim ersten Schritt eine Hilfe zu geben, dann wird es nötig sein, weitere Schritte gemeinsam zu bearbeiten. Das bedeutet aber nicht, dass Vater oder Mutter denken und diktieren und das Kind nur noch schreibt. Immer soll es das Kind sein, dass zuerst den nächsten Schritt überlegt bzw. die nächste Formulierung selbst bringt.

Fehler selber korrigieren lassen!

Dem Kind sagt man zunächst nur: "Schau mal, da (in dieser Zeile, in diesem Absatz) ist ein Fehler." Es entwickelt dadurch ein Auge für Fehler (das muss es ja besitzen!), erkennt vielleicht selbst, worin der Fehler besteht, und verbessert ihn möglicherweise selber. Auf diese Weise kommt ihm der Fehler auch nicht so schlimm vor - eine für das Selbstbewusstsein eher ängstlicher Kinder sehr vorteilhafte Wirkung!

Aufgabe Schritt für Schritt bearbeiten lassen und nach jedem Schritt die Richtigkeit überprüfen!

Das ist vor allem bei umfangreicherem Aufgaben nötig bzw. sinnvoll, um zu vermeiden, dass ein Fehler durch die ganze Arbeit gezogen wird. Verbinden Sie die Überprüfung mit anerkennenden Worten, wenn das Ergebnis stimmt, um das Kind aufzubauen.

Wenn nötig: Aufhören

Sollten all die genannten Hilfen nichts fruchten, dann sollten Sie der unleidlichen Angelegenheit ein Ende setzen. Vielleicht hilft es, später (nach einer Erholungspause) weiterzumachen. Das Gehirn arbeitet nämlich unterbewusst weiter; vielleicht haben Sie selbst schon erlebt, dass Sie eine unlösbar erscheinende Aufgabe nach einer Pause plötzlich lösen konnten, ja dass Ihnen die Lösung auf einmal bei einer ganz anderen Tätigkeit einfiel. Wenn auch das nichts bringt, schreiben Sie Ihrem Kind ein paar Zeilen ins Heft (mit Unterschrift, damit der Lehrer weiß, was los ist, und nicht vermutet, dass eine Hausaufgabe bloß aus Faulheit nicht gemacht wurde).

Quelle: Alexander Geist, www.schulberatung.bayern.de

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